Informationen für Vertragspartner

Die Hanffaser Uckermark ist KEIN Landwirtschaftsbetrieb, sondern eine Textilfabrik.
Landwirtschaftsbetriebe sind unsere Lieferanten.
Es liegt uns am Herzen, unsere Lieferanten mit aller Kraft zu unterstützen.

Aussaat und Pflege

Nach einer Herbstfurche (bei gutem Kulturzustand des Bodens kann auch pfluglose bearbeitet werden) ist ein feinkrümeliges Saatbett ohne Verkrustung herzurichten. Der Acker sollte so locker wie für Kartoffeln sein. Bei Wiesenumbruch ist der Einsatz der Scheibenegge in mehreren Arbeitsgängen nötig.

Die Aussaat erfolgt im März/April in einer Saattiefe 3 - 4 cm, in einer Reihenweite wie Getreide. Eine Saatstärke von 50 kg/ha oder mehr sollte unbedingt eingehalten werden.
Wird erst Ende April gedrillt, so kann eine Frühsommertrockenheit die Ertragsaussicht arg gefährden.
Es ist das Kasachische Prinzip zu beachten.

Düngung

Organischen Dünger im Herbst verträgt Hanf sehr gut. Ansonsten erfolgt die Düngung unmittelbar vor der Aussaat.
Nach dem Auflaufen ist weder zu düngen noch irgend etwas zu spritzen!

Düngeempfehlung nach Entzug:

  • nur Strohernte: N: 40 kg / P: 10 kg / K: 145 kg (Nährstoffentzug)
  • Stroh + Samenernte: N: 75 kg / P: 20 kg / K: 155 kg (Nährstoffentzug)

Ernte und Röste bilden eine Einheit

Abgesehen von einer Saatgutbeize ist von jeglichem Pflanzenschutz abzusehen.

Die Ernte erfolgt mit Spezialmaschinen. Die Pflanzen werden geschnitten, gekürzt und in ein breites Schwad abgelegt. Die Röste ist das dominante Kriterium für den Preis. Dabei bleibt das Erntegut im Schwad auf dem Acker liegen.

  • Leichte Röste:

    • 2 Regentage bei 15°C und mehr (September); oder
    • 4-5 Regentage bei 8-12°C (Oktober)
  • Volle Röste:

    • 7-8 Regentage bei 15°C und mehr (September); oder
    • 15-19 Regentage bei 8-12°C (Oktober)

Bei kälteren Außentemperaturen röstet der Hanf wenig. Das Pressen des trocknen, gerösteten Strohs erfolgt in Rund- oder Quaderballen. Es muss so fest wie möglich gepresst werden; leichte Ballen sind teuer zu transportieren und nicht lagerfähig. Die gepressten Ballen sind umgehend trocken einzulagern oder sofort zur Fabrik abzutransportieren.

Für Hanfstroh guter Qualität wird ein Preis von 140 €/t gezahlt.
Hanfsamen empfehlen wir, direkt zu vermarkten. Anderenfalls zahlen wir 90 €/dt bzw. 180 €/t für kbA.
Über die Qualität des Hanfstrohs entscheidet bei den zertifizierten Hanfsorten nur:

  1. Die Dicke der Stängel (maximale Stängeldicke = 10 mm)
  2. Die Röste: Gut gerösteter Hanf (R8-R10) läßt sich durch einfaches Brechen vollständig entholzen. Dabei ist das Stroh außen dunkel. Bei einer leichten Röste fällt etwa die Hälfte des Stängelmarks nur durch Brechen heraus, einige Teile bleiben haften. In beiden Röstkassen ist das Stängelmark aber hell.

Überrösteter Hanf ist nicht nur außen dunkel, sondern auch das Stängelmark zeigt dunkle Flecken. Dieser überröstete Hanf ist minderwertig.
Bei einer ungenügende Röste sind Teile des Stängels noch grün, beim Brechen der Stängel fällt das gebrochene Stängelmark nicht von allein heraus.
Die Hanf-Faser-Fabrik verarbeitet vorzugsweise Hanf der Röstklasse R3 - R5.

Samenreife und Samenertrag

Der theoretische Samenertrag bei gutem Bestand beträgt 10 dt/ha. Jedoch nur theoretisch.
Hanfsamen reifen ungleichmäßig ab, sodass die ersten (oberen) Samen bereits reif sind, wenn die unteren Samen gerade milchreif werden. Wenn dann die unteren Samen reif werden, sind die oberen Samen längst ausgefallen.
Hinzu kommt, dass die Schalen der Hanfnüsse bei Schlag- und Druscheinwirkung schnell aufplatzen, was die Haltbarkeit auf wenige Wochen beschränkt.
Wird ausschließlich Samen im Direktdrusch gewonnen, ohne Ernte des Strohs, so können 4 - 6 dt/ha erwartet werden. Bei einer kombinierten Ernte von Stroh und Samen werden 3 - 5 dt/ha Samenertrag erwartet.

Dienstleistungen der Hanffaser Uckermark

Voraussetzungen:
1. Der Acker muss steinfrei sein (keine Steine >10 cm) 2. Drainagegullis und andere Hindernisse müssen weit hin sichtbar markiert werden. 3. Wasserlöcher und Unwegbarkeiten werden mit Begleitung des Landwirtes als Vorgewende auf hoher Stoppel umfahren.

Schnitt und Schwadablage

Der Schnitt erfolgt so, dass die Stängel geschnitten werden. Das Optimum der Stängelabschnitte liegt bei 60 cm. Je nach Bestandsdichte, Reifezeitpunkt, Wuchshöhe, Feuchtigkeit usw. sind die Abschnitte länger.
Ziel ist ein geordnetes Schwad, um eine gute Schwadaufnahme zu ermöglichen.
Die Stoppeln sollten nicht zu tief sein, um das Schwad auf die Stoppeln zu legen und damit eine Unterlüfung für ein mehrfaches Abtrocknen zu ermöglichen.

Schwadaufnahme und Samengewinnung

Vorab: Das Hanfstroh wird NICHT gedroschen.
Die Schwadaufnahme erfolgt aus einem geordneten Schwad.
Die traditionelle Aufgabe des Riffelns wird durch einen Riffelförderer übernommen. Eine Dreschtrommel gibt es nicht. Ziel ist, alle Samen die unreif sind, nicht zu gewinnen, um so die Qualität des Erntegutes homogen und hochwertig zu gewähren.
Hanfsamen sind Springfrüchte/Öffnungsfrüchte, die durch Valven ihrer Perigonblättern erst dann freigegeben werden, wenn die Samen vollreif sind. Samen die unreif sind, verbleiben im Samenstand. Ein Dreschen würde diese Samen ebenfalls frei geben, doch diese wären dann nicht keimfähig und daher minderwertig.

Ballenpressen

Das Pressen übernimmt die Hanffaser Uckermark nicht.
Gepresst werden darf nur trockenes Stroh; gepresst werden darf nur bei trockenem Wetter.
Es gilt der Grundsatz: So fest wie möglich!
Es gilt ferner: So schnell wie möglich vom Acker und am besten sofort in die Hanf-Fabrik.

Untere Deckungsbeitragsrechnung 2018

Hanf Winterweizen Sommergerste
Pacht 35 BP 350 € 350 € 350 €
Bodenbearbeitung inkl. Diesel 70 € 70 € 70 €
Aussaat inkl. Diesel 30 € 30 € 30 €
Saatgutkosten 220 € 95 € 75 €
Dünger ausbringen 15 € 15 € 15 €
NPK Düngerkosten 100 € 300 € 200 €
Steine sammeln 15 € 15 € 15 €
Spritzen 30 € 30 €
Pflanzenschutz 200 € 130 €
Mähdrusch 120 € 120 €
Schneiden & Dreschen 90 € + 90 €
Pressen 200 €
Korntransport 25 km + Trocknung (3-5dt) 10 € (90dt) 30 € (48dt) 20 €
Transport Ballen 30 km 80 €
Stoppelbearbeitung 30 € 30 € 30 €
gesamt 1.300 € 1.285 € 1.085 €

Ertragserwartung

Eine Aussaatstärke von 50 kg/ha entspricht bei 92% Keimfähigkeit und 18 TKG einer Keimdichte von 255 /m². Insbesondere im Frühwachstum erfolgt eine Ausdünnung, sodass zur Blüte nur 120-130 Planzen /m² den Bestand bilden. Bei geringerer Aussaatstärke kann die Ausdünnung im Frühwachstum noch stärker erfolgen, daher ist die Aussaatstärke nicht zu verringern.

Bei ausreichend Wasserversorgung im Frühjahr und Vorsommer wird der Bestand je nach Sorte 3,5 bis 4,0 m hoch.
Wenn aufgrund Wassermangels die Pflanzen nur halb hoch werden, sinkt die Ertragserwartung auf 1/2³ = 1/8. Die Erwartung von 10 t/ha bei normalen Bestand sinkt auf 1,25 t/ha bei halbhohem Bestand.

Erlöse

  • Ertrag auf anmoorigen Standorten: bis 12to/ha Stroh
  • Ertrag auf Mineralböden > 35 BP: 9-10to/ha Stroh
  • Ertrag auf Mineralböden < 35 BP: 7-8to/ha Stroh
Hanf Winterweizen Sommergerste
Ertrag (35 BP) 8 t Stroh + 3 dt Saat 90 dt 48 dt
Marktpreis Stroh 140 €/t
Saat 100 €/dt 16,20 €/dt 20,30 €/dt
Ertrag 1.420 €/ha 1.458 €/ha 974,40 €/ha

Transportkosten

Die Kosten für den Transport zur Hanf-Fabrik sind für eine Deckungsbeitragsrechnung von großer Bedeutung. Ein Schlepper-gezogenen Strohhänger transportiert 7-8 to/Fahrt. Bei einer Entfernung von bis max. 30 km kostet eine einfache Schlepperfahrt 35 €. Also: 10 €/to.
Bei größeren Entfernungenbis ab 100 km empfiehlt sich ein Transport per LKW-Spedition: Ein Truck kostet ca. 250 € und läd 10-11 to. Demnach liegen die Transportkosten bei 100 km: 25 €/to.

Positive Effekte

  • gute Vorfruchteigenschaften
  • phytosanitärer Effekt der Hanf-Ackerkultur
  • während der Vegetation keine Bearbeitung
  • keine Verwendung von Pflanzenschutz

Vertragsgestaltung

Vertragspartner ist die Hanffaser Uckermark, Brüssower Allee 88, 17291 Prenzlau. Vor der Aussaat wird der Vertrag für jeweils ein Anbau+Verarbeitungsjahr geschlossen.

Die Röste ist das wichtigste Qualitätskriterium des Hanfstrohs.

  • zu wenig geröstet (grün) = minderwertig (links)
  • zu lange röstet = minderwertig (rechts) *

Bei ausreichender Saatdichte unterdrückt der Hanf normalerweise jedlichen anderen Bewuchs. Leider kommt es aber gelegentlich zu Bestandsentwicklungen, die unbrauchbar für die Fasergewinnung sind. Wird das Saatkorn zu tief gedrillt oder verschließt witterungsbedingt sich unmittelbar nach der Aussaat die Oberfläche zu einer harten Kruste, so verzögert sich der Aufgang und der Unkrautbewuchs etabliert sich. Wenn dann noch mit Saatgut gespart wurde, kann der Hanf erst im Laufe des Sommers den Unkrautbewuchs bezwingen. Dann ist er zwar etabliert, aber das Erntegut ist zu stark verunreinigt. In diesem Fall hilft nur noch Mähdrusch der Stängelspitzen, um wenigstens die Samen zu ernten.

Sofern das Unkraut bereits von Außen im Bestand sichtbar ist (links), wird ohnehin jeder die Unbrauchbarkeit feststellen können. Aber auch wenn die Unterdrückung auf dem Boden ungenügend ist (unten), bleibt eine Nutzung in der Faserfabrik ausgeschlossen.

Nach Auskunft der Oberfinanzdirektion Frankfurt /M (Zolltechnische Prüfungs- und Lehranstalt) vom 22.07.1998 wird für Hanfstroh der volle Umsatzsteuersatz erhoben.

weitere Info unter Hanffaser Uckermark eG.