Hanf ist NICHT nachhaltig!

Wenn Elektrobatterien und Kernkraftwerke nachhaltig sind, dann ist Hanf NICHT nachhaltig.

Rainer Nowotny
24.02.2022

Elektrobatterien, egal ob mit Blei oder Lithium, sind eine brutale Materialschlacht. Kernkraftwerke sind eine schlimme Last für unsere Kindeskinder. Wenn sogar Fracking-Gas noch eine akzeptable Übergangstechnologie sein soll, dann bitten wir alle: Bitte bezeichnet Hanf NICHT als nachhaltig!

Eine moderne Elektrobatterie benötigt 150 Gramm/kWh Lithium und ebensoviel Kobalt. Außerdem gilt die Faustregel, dass jede kWh Speicherkapazität etwa 100 kWh in der Herstellung benötigt. {Um hier eine Relativierung zu bekommen: Lithium hat eine Molmasse von 7 u, Blei hingegen 207 u.}

Bei 10 Mio jährlich neuzugelassenen PKW und Kleintransportern, gesetzt alle Neuzugelassenen wären E-Autos, bräuchte man ca. 140.000 t Lithium und gleichviel Kobalt allein nur für neue PKW und Kleintransporter. Aber Lithium wird auch für viele andere Industriezweige benötigt. Und nicht nur Autos brauchen Lithium-Akkus. Derzeit werden weltweit 60.000 t Lithium gewonnen. Der Abbau von Lithium müsste also um Größenordnungen gesteigert werden. Schon heute ist dieser Abbau aber von Umweltbelastung und Raubbau geprägt.

Kernkraftwerke brauchen hier nicht diskutiert werden. Nicht nur die Entsorgung ist eine Generationensünde, auch der Abbau von Uran ist eine Katastrophe, abgesehen davon auch zunehmend aufwendiger.

Neuerdings wird sogar Frackinggas als grüne Übergangstechnologie bezeichnet. Weil die Reserven an Erdöl und Erdgas immer aufwendiger zu erschließen sind, bedient man sich fragwürdiger, aufwendiger Techniken, verflüssigt das Frackinggas mit viel Energie auf -162 °C, transportiert es über Ozeane, vergast es wieder, sodass vom Energiegehalt nur gut die Hälfte ankommt. Für die Herkunft von Erdöl und Erdgas gibt es 2 Theorien. Die erste stammt von Lommonossow, der zuvor anhand von Fossilienfunden den Ursprung der Kohle in ehemaligen Mooren, schließlich in den Wäldern der Erdgeschichte bewies. Er vermutete, dass Erdöl den gleichen, jedoch älteren Ursprung hätte. Die Vermutung war vom großen Lommonossow, also wagte bis heute kaum jemand zu widersprechen. Die zweite Theroie geht auf Mendeleew zurück, der die These der mineralischen Entstehung des Erdöls aufstellte, durch Porfirjew und Kudrjawzew zur geologischen Erkundung genutzt, dass die Substanzen aus großen Tiefen hervorbrechen. Unter den Grundgebirgen findet sich Erdöl und Erdgas in großen Blasen, die angebohrt werden. 1859 gelang Edwin Drake in Pennsylvania die erste Erdölbohrung mit 21 m Tiefe; 20 Jahre später war bei Baku das weltgrößte Erdölfördergebiet. In anderen Vorkommen ist das Erdgas in kleineren Poren im Sedimentgestein eingeschlossen. Wird dieses Gestein mit Wasserdruck gesprengt, geknackt oder aufgebrochen, geben Risse das Poren-Erdgas frei. Es gelangt in die Zuführung der Wasserdruck-Einspeisung. Dem bis zu 5 km nach unten geförderten Wasser werden Quarzsand und Chemikalien beigemischt, um die Risse unter dem Tiefendruck offen zu halten. Dieses Verfahren heißt "hydraulisches Aufbrechen" (engl: Hydraulic Fracturing) besser wäre der Ausdruck: hydraulisch geknackt. Der energieintensive und umweltbelastende Abbau von Frackinggas ist ein Zeichen schwindenden Rohstoffüberflusses. Die aufwendigen Transportmethoden sind Ausdruck der Ohnmacht, unter Erhalt des bisherigen industriellen Anspruchs an das Thema Nachhaltigkeit überhaupt nur zu denken.

Die Ressourcen sind begrenzt, auch zum Beispiel Holz: Es gibt zahlreiche Statistiken zum deutschen Holzverbrauch und zum Holzeinschlag in deutschen Wäldern. Demnach wurden in den letzten 10 Jahren 65-70 Mio Festmeter/Jahr Holz eingeschlagen, seit 2020 durch massive Waldschäden 80 Mio Festmeter/Jahr und mehr. Circa die Hälfte (35 Mio FM) ging in deutsche Sägewerke. 20 Mio FM wurden als Scheite zu Brennholz. 55-60 Mio FM wurden zu Spanplatten, HWF, MDF, OSB, Schichtholz usw. verarbeitet. Im Durchschnitt 10 Mio FM brauchte die Papier- und Zellstoffindustrie. Hinzu kommen Holzpellets, Holzbriketts und allerlei. Was nicht in deutschen Wäldern geschlagen wird, kam und kommt von östlichen Nachbarn, eine erhebliche Menge. Letztendlich kann es sehr schnell entweder bei uns oder bei unseren Nachbarn auf Raubbau hinauslaufen.

Bisher schoss sich die Gesellschaft fast ausschließlich auf die Problematik der erneuerbaren Energien ein. Doch: Wir leben im 21 Jhd. Das drängendste Thema ist nicht mehr die Energie, sondern das Thema: Rohstoffe! Das 19. Jahrhundert war die Zeit der Plünderung von Kolonien und fremden Kontinenten. Das 20. Jhd, das Jahrhundert der unbegrenzten Energie, begann mit der grossen Elektrifizierung und endete mit der Unlösbarkeit der Kraftwerkshinterlassenschaften vom Atommüll; von der Kohleverstromung bleiben riesige Bergbaufolgelandschaften; schließlich übergab das 20. Jahrhundert der Zukunft den "Solarzellen-Schrott, den Rotoren-Müll und zahllose Fundamente der Windkraftanlagen, die wahrscheinlich für immer in der Erde verbleiben. Das 21. Jhd. wird sich um die begrenzten Rohstoffe kümmern müssen. Wer denkt denn da an die nächsten Generationen?

Ein Blick zurück: Vor tausenden Jahren waren die Küstengebiete der Levante, Anatoliens und Griechenlands wenn nicht waldreich, so doch mindestens nicht waldarm. Es gibt Historiker, die geben der Schifffahrt die Schuld am Holzraubbau, doch war es etwas anderes. In diesen Gebieten begann vor 1.000 v.u.Z die Eisenzeit mit der Etablierung des Rennofens und der anschließenden Bearbeitung im Schmiedefeuer. Die wirtschaftliche Nutzung des Eisens konnte nur dort beginnen, wo Holzreichtum und Eisenerz zusammenfielen. Zum einen braucht die Herstellung von Roheisen bzw. Eisenluppe hohe Temperaturen von deutlich über 1.000 °C (Kupfer 1.085 °C, Gold 1.064 °C, Silber 962 °C), anschließend muss es ausgeschmiedet werden, wozu nicht Holz, sondern Holzkohle vonnöten war. Köhlern aber verschlingt Holz. Das Eisen brachte den Phöniziern, den Hethitern und schließlich den Griechen militärische Überlegenheit. Der Bau der Schiffe brauchte nicht einen Bruchteil des Holzes, verglichen mit der Eisen- und Stahlgewinnung. Von diesem Waldraub erholten sich bis heute weder die Levante, noch Anatolien oder Griechenland. Der Ressourcenhunger war schon damals größer als die Verantwortung gegenüber späteren Generationen.

Noch schlimmer ist es, wenn die Ressourcenfrage ignoriert wird, wie etwa bei der Konzentration auf politische Ziele oder auf Kohlendioxid. Als der Erste Weltkrieg begann, schossen alle Gewehre mit Schießbaumwolle. Aber wer hatte das Handelsmonopol für Baumwolle? England. Mit großem Abstand kam noch Russland hinzu. Beides Kriegsgegner. Sehr bald hatte Deutschland keine Schießbaumwolle mehr. Doch Deutschland hatte damals Glück, denn es wahrte die Führerschaft der Chemie. Der Vorgänger der Zellwolle löste das Problem des fehlenden Kriegsrohstoffes Baumwoll-Linter zumindest teilweise. Das Beispiel macht aber deutlich, wie ignorant oftmals schon die Rohstoffbeschaffung behandelt wird.

Eletromobilität ist vielleicht schick und staubarm, Kernkraftwerke stoßen kein Kohlendioxid aus, Frackinggas schändet nur jene Gegenden, die sehr weit weg sind. Aber nachhaltig ist das für den gesunden Menschenverstand NICHT.

Die Herstellung und die Nutzung von Produkten aus Hanf und anderen Industriepflanzen hinterlässt keine Folgelandschaften, hinterlässt keine Rückstände, keine Abfallprodukte, keinen Plastikmüll, schändet keine Gegenden, erzeugt kein zusätzliches Kohlendioxyd und stärkt die regionale Wirtschaft.

Wenn letzteres nachhaltig ist, DANN ist Hanf nachhaltig.