Geschäftsbericht der
Hanffaser Uckermark eG
2021

ein Auszug



30.04.2022

Britta Stöckel-Schult & Rainer Nowotny

Vorwort des Vorstands

Vorweg

Das Jahr 2021 war das erfolgreichste Jahr der Hanffaser Uckermark eG ihres Bestehens.

Das Jahr

Auch das Jahr 2021 war wieder ein Corona-Jahr. Alle mussten auf Distanz zu ihren Mitmenschen gehen, wo der Mensch doch soziale Nähe sucht. Leute trugen im Alltag Gesichts-Masken, wo doch soziale Wesen nach Offenheit streben, Familien vermieden Treffen, die Ämter geboten Homeoffice, öffentliche Verkehrsmittel wurden gemieden, Kinder wurden zu Netflix gezwungen, statt draußen Fußball zu spielen. Eine extreme Belastungsprobe.

Viele Unternehmen mussten und müssen weiterhin um ihre Existenz fürchten. Viele Selbstständige waren ohne Einnahmen. Auch für unsere Hanf-Fabrik war es schwierig.

Die Hanf-Fabrik spürte täglich erhebliche Produktionsbeeinträchtigungen. Weniger gesundheitliche Gründe von Mitarbeitern, weniger infolge zahlreicher Infektionsschutzmaßnahmen, die wir natürlich streng einhielten, sondern vielmehr waren es aus politischen Maßregeln resultierende Isolationszwänge, die die regulären Produktionstätigkeit oftmals stark einschränkten. Krankheitsbedingt wurden zwar weniger Ausfälle als in anderen Jahren registriert, jedoch Ausfälle aufgrund von Kontakt-Quarantänen oder langen Wartezeiten auf Ergebnisse von PCR-Test und andere Auflagen der Gesundheitsämter behinderten die Besetzung des Schichtbetriebes.

Auch die zusätzlichen Verwaltungsaufwendungen für Corona-Kontrollen, - Vorsichtsmaßnahmen, - Kontaktverfolgungen, - Hygienekonzepte und so weiter, beanspruchten so viel Arbeitszeit und Nerven, dass strategische Entwicklungen oft auf Folgejahre verschoben werden mussten.

Corona brachte nicht nur Maßregeln, sondern staute bei vielen Menschen Aggressionen an in einem Spannungsfeld, in dem auch ohne Corona die gesellschaftlichen Widersprüche schärfer werden, sich zu persönlichen Konflikten entwickeln, die sich auf die Gemüter der Menschen legen.

Persönliches gehört auch dazu

Auch Genossenschaften bleiben nicht von Streit verschont. So belästigte ein anscheinend unter Wahnvorstellungen Leidender die beiden Vorstände mit zahlreichen Unterstellungen, Verleumdungen und falschen Anschuldigungen bei Ämtern und öffentlichen Stellen, schon seit 3 Jahren. Dieses steigerte sich 2021 noch. Die Anschuldigungen wurden selbstredend zurück gewiesen, kosteten aber Zeit und Nerven.

Wie geht man mit solchen Menschen um, die es offenbar in jeder Gesellschaft gibt und die eigene Probleme auf Träger von Öffentlichkeit abwälzen? Wirft man sie raus? Entfernt man sie aus der Gesellschaft? Diffamiert man sie auf die gleiche, schlechte Art und Weise? Nein, damit ist jenen nicht geholfen, die unter Verfolgungswahn und verlorenem Lebensinhalt leiden. Und es würde auch die Belästigung nicht beenden.
Also muss man sich einen persönlichen Schutz aufbauen, solche Unterstellungen und Anschuldigen in großer Zahl auszuhalten. Es ist nicht Aufgabe einer Hanf-Genossenschaft, die Auswirkungen einer unvernünftigen Gesellschaft auf die Zerstörung einzelner Glieder, Mitmenschen, zu therapieren.

Die persönlich betroffenen Vorstände fanden im Aufsichtsrat und in anderen genossenschaftlichen Mitgliedern große freundschaftliche Unterstützung. Auch so etwas gehört zur Hanf-Genossenschaft. Wir möchten uns dafür herzlich bedanken.

Homeoffice

Im Zuge der Corona-Maßnahmen wurden viele Büroarbeitsplätze vom Meinungs- und Gedankenaustausch als Teil der Arbeit befreit. Auch Behörden und Prüfer waren im Homeoffice. Neue Projekte scheiterten an der fehlenden Zusammenkunft von Projektpartnern. Auch geschah es, dass Fördermittel der öffentlichen Hand spät bearbeitet wurden und Entscheidungen über neue Projekte arg verzögert wurden. Unternehmensvorgänge wurden fernschriftlich geprüft, was zu Missverständnissen und Mängeln führte. Kleinste Meldeverzögerungen wurden durch fehlende Rückfragen zum Problem. Mit diesen Erscheinungen war auch die Hanffaser Uckermark eG konfrontiert.

Kann die Hanffaser Uckermark eG einige Büroarbeiten ins Homeoffice verlegen? Dieses muss komplett abgelehnt werden. Die Arbeit in der Hanf-Fabrik lebt von der direkten Kommunikation und den schnellen, unbürokratischen Entscheidungswegen. Abgesehen davon, dass ein Homeoffice-Gebot viele mit dem DDR-Haushaltstag in Verbindung bringen, geht ein Homeoffice-Gebot an der Idee der Arbeit als ein Gemeinschaftsprojekt vorbei.

Klimawandel

Im Juni ereignete sich in der Region um Prenzlau ein extremes Naturereignis, welches wir auf die klimabeeinflussenden Ignoranzen unserer Gesellschaft zurückführen. Ein Extremwetter, nahezu zeitgleich mit den Überschwemmungen im Ahrtal/Eifel, verursachte in den 24 Stunden vom 30.06.21 14:00 bis 01.07.21 14:00 einen überfallartigen Regenguss von 168 Liter/m² über Prenzlau und Umgebung, flutete die Äcker und Straßen, verwandelte die Produktionshallen in Schwimmbäder, bewässerte alles, schüttete 7.000 m³ Wasser auf unsere Betriebsfläche, 30% des Niederschlages eines ganzen Jahres, in einer Jahreszeit, die alle Hanf-Fabriken, seit es Hanf-Fabriken in Europa gibt, zum Trocknen jener Rohware nutzen, die über den Winter gelagert wurde und über die nächsten Ernte hinaus die Verarbeitung sichern muss. Dieser, unser Rohwarenbestand, der draußen zur sommerlichen Trocknung stand, wurde schlagartig so nass, als hätte man diesen in den Uckersee geworfen. Ein überaus großer Schaden und finanzieller Verlust.

Aufgrund weitsichtigen Warenmanagements war jedoch noch so viel Rohwarenbestand in den Hallen, dass die Produktion durch diesen Ausfall nicht gefährdet war.

Weizenpreise

Unsere Hanf-Verarbeitung bezieht ihren Rohstoff aus der regionalen Landwirtschaft. Hier muss der Hanf mit anderen Feldfrüchten um die Anbaufläche konkurrieren. Als Maß aller Deckungsbeitragsrechnungen gilt der Weltmarktpreis für E-Weizen. Lag der Weizenpreis von 1994 bis 2000 zwischen 12,00 €/dt und 15,00 €/dt, so lag er Ende 2021 bei 30,00 €/dt. Mit dieser Verdopplung des Preises für die Erntegüter kann der Hanf nicht mithalten, da eine solche Preissteigerung auf den Markt nicht weitergereicht werden kann. Hier galt es und gilt es zukünftig noch mehr, die Kosten des Anbaus zu reduzieren, die Erntegüter zu vervielfältigen, insbesondere die Samenernte zu qualifizieren, und weitere positive Nebenwirkungen wie die Bereinigung und Aufwertung des Bodens durch den Hanfanbau zu optimieren.

Energiepreise

Die Hanf-Verarbeitung ist eine durchaus Energie-intensive Industrie, Hanf verlangt nicht nur den Menschen, auch den Maschinen viel Mühen und harte Arbeit ab.

Die Entwicklung der Energiepreise war unschön und wird unangenehm bleiben.
Lag der Preis „Frontmonate“ an der Energiebörse Leipzig im Januar 2021 bei 40 €/MWh, so waren es im Dezember 2021 schon 100 €/MWh. Tendenz steigend.

Trotzdem!

Unsere genossenschaftlichen Mitglieder, voran der Aufsichtsrat, unsere Handelspartner, unsere Zulieferer, unsere Entwicklungspartner und befreundete Unternehmen, die mit uns gemeinsam das große Hanf-Projekt voranbringen, standen trotz aller Schwierigkeiten zum gemeinsamen Ziel.

Unsere Kunden bedankten sich für unsere Arbeit durch Treue, Unterstützung und Mundpropaganda für unsere guten Produkte. Und so konnten wir ein erfolgreiches 2021 absolvieren. Der Umsatz wurde um 11 % gesteigert, ein Gewinn wurde erwirtschaftet, unser Markt gefestigt und unsere Hanffaser Uckermark eG gestärkt.

Altlasten soll man entsorgen

2017 erwarb die Hanffaser Uckermark eG ein angrenzendes Grundstück, um sich Erweiterungsmöglichkeiten offen zu halten. Leider war auf diesem Grundstück ein unklares Etwas, offenbar ein Rest eines Anbaus einer damaligen Gasbrennereinheit zur Getreidetrocknung aus DDR-Zeiten, von dem eine Betonwanne ersichtlich war, in der sich Teer befand, welcher im Laufe von 30 Jahren mit Laub und Reisig bedeckt wurde.

Uns scheute vor dieser Altlast. Da wir das Areal nicht nutzten und diesen Bereich auch nicht begingen, vergaßen wir die vermeintliche Grube fast. Doch 2021 fassten wir uns ein Herz und gingen an die Entsorgung. Siehe da, die Altlast war gar nicht so furchtbar, wie wir zunächst vermutet hatten. Ein Umweltlabor begleitete uns bei der Entsorgung. Als dann alles vom Umweltlabor als ordnungsgemäß entsorgt und kontaminationsfrei bestätigt wurde, fielen Steine von unseren Herzen.
Dieses bewies wieder einmal: Keine Angst vor dem Aufwand und frischen Mutes gegenüber alten Lasten. Danach fühlt man sich wohler.

So wie wir 2009 das Asbest von unseren Hallendächern entsorgten, so widmeten wir uns in 2021 dieser Teergrube. Man fürchtet sich vorher vor den vielleicht unglaublichen Kosten, doch es ist besser und das gute Gewissen belohnt einen. Wir rufen auch alle Bauherren auf: Entsorgt frischen Mutes Eure Altlasten: vergammelte Mineralwolle, schimmliges Styropor, sinnlos verbauten Beton, wo er nicht hingehört, alte Bitumenbahnen, Foliensünden unterm Dach: raus damit und man fühlt sich besser.
Anschließend Hanf rein. Hanf erzeugt keine Altlasten.

Bericht der Aufsichtsräte

Die Aufsichtsräte nahmen ihre Aufgaben gemäß Gesetz und Satzung in gewohnter Weise wahr. So wurde der Vorstand bei der Leitung des Unternehmens beraten und sein Handeln mit Sorgfalt überwacht. In alle grundlegenden Entscheidungen war er eingebunden. Der Vorstand informierte mündlich und schriftlich, regelmäßig, umfassend und zeitnah über alle wesentlichen Aspekte der Geschäftsentwicklung, die Ertragslage, die Risiken und deren Management.
Auch wenn dem Vorstand wie auch den Aufsichtsräten Fehler unterliefen, so war der stete Austausch Grundlage, diese wieder zu beheben, Schaden von der Genossenschaft fern zu halten und die Interessenvertretung der genossenschaftlichen Mitglieder zu wahren.
Unsere Entscheidungen trafen wir auf Grundlage umfassender Berichte und Beschlussvorlagen des Vorstands. Der Vorstand informierte in geladenen Sitzungen und außerhalb dieser über Projekte und Vorgänge von Bedeutung oder Dringlichkeit.
Die Aufsichtsräte tagten ordentlich und außerordentlich, fernmündlich oder in web-Konferenzen am 24.02.2021, am 29.03.2021, am 07.04.2021, am 11.05.2021 und am 17.05.2021, sowie in Präsenz am 06.08.2021. Im Mittelpunkt standen oftmals die Probleme rund um die Corona-Krise; darüber hinaus natürlich die Unternehmens- und Umsatzentwicklung. Auch die Probleme der Entsorgung außerordentlicher Lasten und Hinterlassenschaften eines fremden Unternehmens wurden besprochen. Darüber hinaus wurden Entwicklungsprojekte diskutiert.
Die zukünftigen Perspektiven der Hanf-Genossenschaft wurden beraten.
In die Entwicklung einer Rohstoffwende will sich die Hanf-Genossenschaft weiter und verstärkt wirtschaftlich wie politisch einbringen.

Der Aufsichtsrat hat den Jahresabschluss 2021 und den Lagebericht geprüft und in Ordnung befunden. Er befürwortet den Vorschlag des Vorstands über die Gewinnverwendung. Der Vorschlag entspricht den Vorschriften von Gesetz und Satzung.

Schlosser2_Ernte Generaluberholung_Schwinge Thomas Reitzig

Lagebericht

Das Unternehmens

Ein angenehm würziger Duft liegt über den Feldern der neuen = alten Ackerkultur: Faserhanf. Nach jahrelangem Verbot durfte er erst 1996 wieder landwirtschaftlich angebaut werden. Verboten wurde er wegen eines Wirkstoffes der Blätter (Tetrahydrocannabinol, THC): in höheren Dosen wirkt es berauschend. Europäischer Nutzhanf verfügt nicht über solche Dosen. Aber auch ohne dieses THC wurde dem Hanf schon immer etwas Geheimnisvolles und Besonderes nachgesagt. Hanf wächst an sonnigen Tagen bis zu 7 cm; nur 100 Tage nach der Aussaat kann er eine Höhe von 4 m erreichen. Ende August beginnt die Ernte, die bis Anfang Oktober viel Geduld und Kraft kostet. Vor den herbstlichen Regenfällen muss das Erntegut Hanfstroh in die Scheunen gebracht werden, bevor es zum Verarbeiter gelangt.

Produktion

In der Umgebung von Prenzlau wird auf einer landwirtschaftlichen Fläche Faserhanf angebaut. In 2021 bezogen wir das Erntegut von 512 ha. Die Verarbeitung des Rohstoffs Hanf ist das Kernstück der Hanf-Fabrik. Hanffasern in verschiedenen Fraktionen, Qualitäten und Konfektionen sind Ergebnis dieser Verarbeitung. Darüber hinaus werden zahlreiche innovative Produkte gefertigt. In Forschungs- und Entwicklungsarbeiten wurden mit vielen Partnern neue Erntemaschinen, neue Verarbeitungstechnologien und Einzellösungen für Naturfasern, neue technische Lösungen und viele Produkte entwickelt. Es wurden eigene Patente angemeldet, zahlreiche Gebrauchsmuster entwickelt und in die Produktion überführt, außerdem unterhält die Hanffaser Uckermark einen regen Knowhow-Austausch mit Entwicklungspartnern.

Unternehmen

Das Unternehmen stützt sich auf die Konzeption des selbstähnlichen und fraktalen Betriebes, d.h. es gibt keine Autorität außer der Sachkompetenz, Hierarchien richten sich nach den momentanen Erforderlichkeiten, können sich verkehren und sind vernetzt, so wie sich die gesamte innerbetriebliche Zusammenarbeit strukturiert, so strukturiert sie sich auch in den einzelnen Qualitätsbereichen und in den außerbetrieblichen Kooperationen. In der Praxis heißt das, dass alle Mitarbeiter nach dem Prinzip der Eigenverantwortlichkeit arbeiten und allen ein hohes Maß an Befugnis obliegt, dass Kompetenzen in der Organisation der Arbeit auf die einzelnen Qualitätsbereiche übertragen sind, dass die operativen Aufgaben des Tages durch jeden Verantwortungsbereich selbst gelöst werden (Cheftransfer), dass möglichst viele Entscheidungen auf innerbetriebliche Beratungen zurückgreifen, dass nur Kernaufgaben im Betrieb verbleiben und Wartung, Logistik, Vertrieb etc. an feste (externe) Partner vergeben wurden, dass Entwicklungen die Erfahrungen aller Mitarbeiter einbeziehen und im Kollektiv einzelne Schritte besprochen werden, dass neue Produkte und Verfahren stets mit anderen Partnern aus Industrie und Wissenschaft entwickelt werden, dass wir Erfahrungen mit unseren Partnern teilen und von ihren Erfahrungen profitieren.

Ökologie

Die Hanffaser Uckermark eG ist ein Verarbeiter mit hohem ökologischen Anspruch. Wer Hanf landwirtschaftlich anbaut, verwendet weder Pflanzenschutzmittel, noch Insektizide, denn Hanf benötigt keinen solchen giftigen Pflanzenschutz. Ein Teil der Ackerfläche des Vertragsanbaus wird kontrolliert biologisch bewirtschaftet. Streng wird auf die Vermeidung von Abfall und die möglichst 100 %-ige Verwertung geachtet. Die Reststoffe, vornehmlich Blätter, Spreu, Staub, Schäbenreste und Faserfragmente, werden entweder an Komposthersteller abgegeben, oder werden als Biomasse wieder auf den Acker gebracht. Es fällt kein Abfall an, der entsorgt werden müsste, ausgenommen die Joghurtbecher vom Frühstück. Die Maschinen werden mit Tensid aus nachwachsenden Rohstoffen gereinigt, die Stromversorgung arbeitet über ein eigenes Energiekonzept (1996 begannen wir mit einem BHKW, heute wird auf den Dächern so viel Solarstrom erzeugt, wie wir in der Produktion benötigen), wo es möglich ist, wird bei Schmier- und Hydrauliköl auf Raps zurückgegriffen etc. Selbstredend, dass Transportwege von der Landwirtschaft zur Verarbeitung so gering wie möglich gehalten werden. Hanfprodukten wird zurecht ihre Allergiefreundlichkeit nachgesagt. Dementsprechend werden bei unserer Herstellung keinerlei bedenkliche Zusätze, Bindemittel oder Aromastoffe verwendet. So garantieren wir für unsere Produkte ihren naturbelassenen Charakter.

Ökostrom oder Grünwäsche?

Die Trennung von Ökostrom und konventionellem Strom wird durch die Entwicklung am Zertifikat-Handel immer mehr zur Grünwäsche. Grundsätzlich fließt elektrische Energie aus Windkraftanlagen und Solarfeldern seit der Aufnahme in das Energieeinspeisegesetz in den konventionellen Strommarkt ein, der an der Leipziger Börse gehandelt wird, in einen Topf mit elektrischer Energie aus Kernkraft- und Kohlekraftwerken. Auch Strom aus Wasserkraftwerken fließt in diesen Handel gleichberechtigt ein. Lediglich jene Wasserkraftwerke, die nicht durch ein Energieeinspeisegesetz der Europäischen Union subventioniert werden, dürfen als Ökostrom gesondert gehandelt werden. Hierzu hat sich ein Zertifikathandel Ökostrom herausgebildet, von dem im Wesentlichen Wasserkraftwerke in Norwegen profitieren.

In der Praxis kaufen grün gewaschene Konzerne elektrische Energie wie bisher ein oder erzeugt diese teilweise selbst, kaufen zusätzlich Öko-Zertifikate in Höhe des Jahresverbrauches an elektrischer Energie ein und haben damit ihre Nachhaltigkeitsverpflichtung erfüllt.

Auch die Hanffaser Uckermark eG erwirbt aus alter Tradition immer noch Ökostrom für die Produktion. In den letzten Jahren aber tatsächlich nicht anders als über den Zertifikate-Handel. Praktisch aber ist es in Prenzlau anders. Auf den Dächern der Hanf-Fabrik liegen Photovoltaikanlagen mit einem Peak von 800 kW. Unter diesen Dächern verbraucht die Hanf-Fabrik elektrische Energie von ca. 300 kW. Praktisch heißt dieses, dass, sobald nur einigermaßen die Sonne scheint, also auch im Winter 1h nach Sonnenaufgang bis 1 h vor Sonnenuntergang, die gesamte Energie der Hanf-Fabrik oben auf den Dächern erzeugt wird.

Genossenschaft

Gegründet wurde die Hanf-Fabrik 1996, seit 2013 ist sie eine Genossenschaft. In dieser ersten Hanf-Genossenschaft verbindet sich Ökologie mit sozialer Ökonomie. Unser Produktionsstandort in Deutschland sichert hier vor Ort Arbeitsplätze, mit fairen Arbeitsbedingungen und gesunden Handelsbeziehungen. Unser Streben gilt der Weiterentwicklung des Produktionsstandortes, der Weiterentwicklung von Anbau und Verarbeitung von Hanf, der Entwicklung neuer ökologischer Produkte aus Naturfasern, neuer Anwendungsbereiche für textile und technische Weiterverarbeitung. Zukünftig kann auch daran gedacht werden, in anderen Bundesländern neue Standorte aufzubauen oder zu unterstützen.

Unternehmensstruktur

Im Jahr 2019 wurde die Hanf-Genossenschaft in zwei betriebliche Bereiche aufgeteilt:

  1. Produktion, einschließlich Vertrieb
  2. Innovation, einschließlich Produktentwicklung

Eine Hanf-Fabrik ist ein Industrieunternehmen mit Rohstoffen aus der Landwirtschaft, welches vom Umsatz seiner Produktionserzeugnisse lebt.
Als integrierte Hanf-Fabrik gehören landwirtschaftliche Rohstoffbeschaffung und Marken-Vertrieb zum Aufgabenbereich der Produktion.
Kennzeichnend für die Hanffaser Uckermark war und ist die Außenwirkung und die Kooperation mit vielen Partnern und genossenschaftlich verbundenen Unternehmen.

Speziell zeichnet die Hanffaser Uckermark eG die Einbeziehung von Forschung und Entwicklung aus.
Zu den Mitgliedern der Genossenschaft gehören Mitarbeiter der Hanf-Fabrik, innovative Partner, Partner in Handel und Vertrieb, sowie Partner der landwirtschaftlichen Erzeugung von Hanf.
Die Hanffaser Uckermark eG konnte die beiden Ressorts Handel und Landwirtschaft partnerschaftlich integrieren.
Obwohl Produktion und Innovation in zwei getrennte Geschäftsbereiche aufgeteilt sind, arbeiten beide natürlich in einem Hause und eng zusammen.
So stellt sich die Hanffaser Uckermark eG als komplexes Kooperationsunternehmen dar.

Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Langfristige Entwicklungen

Was bringt Corona?

Offenbar ist es schwer einzuschätzen, welche Wirkungen und Verschiebungen die zu erwartenden periodischen Corona-Beschränkungen für Europa und speziell Deutschland bringen werden. Auf jeden Fall offenbaren die ersten wirtschaftlichen Instabilitäten die Anfälligkeit der derzeitigen Waren- und Rohstoff-Verkehre, die eigentliche Problematik weltweiter Plünderungen von Rohstoffen. Es ist schon jetzt abzusehen, dass Rohstoffe in den nächsten Jahren begehrter und teurer werden. Ob internationale Warenströme wieder den Stand vor Corona erreichen oder ob politische Stagnation gewinnt, bleibt abzuwarten.

Bleiben die Corona-Maßregeln noch 80 Jahre?

Im Jahre 1346 sollen Tataren, als sie die genuesische Krim-Kolonie Kaffa (heute Feodossija) belagerten, Pestleichen über die Stadtmauer katapultiert haben. Die Überlebenden flohen nach Genua und brachten die Pest mit. 1348 und 1349 suchte die Pest alle großen Städte Süd- und Westeuropas heim. Angaben über Opferzahlen sind hoch und widersprüchlich; auf jeden Fall gingen Panik und Todesangst um. Nach 1353 gab es nur noch vereinzelte Pestausbrüche, aber keine Pandemie mehr.
Die Zeit der Pest-Maßregeln dauerte jedoch 80 Jahre.

Kunststoff-Textilien

Textilien werden heute zu über 50 % aus Kunststofffasern hergestellt. Obwohl erwiesenermaßen das Gros des heutigen Mikroplastik seinen Ursprung aus Kunststoff-Fasern hat, ist ein Trend zur Vermeidung von Kunststoff-Fasern, insbesondere Kunststoff-Textilien weder in Sicht noch wird überhaupt darüber diskutiert.

Der Trend zur Vermeidung von Einweg-Kunststoff-Konsumprodukten ist weit entfernt von einer Erweiterung auf die Vermeidung von Kunststoff-Fasern.

Heutiges Mikroplastik stammt nicht aus Plastikfolien oder Plastikbauteilen. Zwar, auch Kunststoff-Folien und voluminöse Kunststoffprodukte zersetzen sich in Mikroplastik, dieses jedoch in einem Zeitraum von mehreren hundert Jahren. Diese Teile werden also erst 2200 oder 2300 Mikroplastik sein. Derzeitiges Mikroplastik in Gewässern und Ozeanen stammt hauptsächlich von abgetrennten oder zerschlissenen Kunststoff-Textilien, also aus Plastikfasern, insbesondere aus unseren Waschmaschinen. Eine Kehre von dieser Entwicklung ist nicht in Sicht.

Noch mehr Plastik in den Corona-Jahren

Aufgrund der allgegenwärtigen Verpflichtung zum Tragen von Mikro-Plastikfaser-Masken und der daraus resultierenden Inhalation von Mikro-Plastik-Fasern über den Atemweg in die Lunge und in das Blut wurde der Eintrag von Mikroplastik in das Blut gesellschaftlich im Großen akzeptiert und zudem einfach Normalität. Weiterhin waren Verbraucher gezwungen, längere Zeit auf den Gang ins Geschäft für das Besorgen von Nichtnahrungsmitteln zu verzichten, vielmehr wendeten sich viele dem online-Versand zu. Statt in Ladengeschäfte zu kaufen, fuhren in den Coronajahren Paketdienste kreuz und quer durch das Land und durch die Städte. Sogar für Baustoffe zeichnete sich diese Entwicklung ab. Dieses verursachte nicht nur einen höheren Kartonbedarf, sondern auch einen höheren Plastik-Verpackungs-Einsatz. Dieses Mehrplastik wurde von nahezu allen Verbrauchern kommentarlos akzeptiert.

Offenbar wurde leider ein Umdenken der Gesellschaft hin zu "weniger Plasik" gestoppt.

Wir starten derzeit mit einem Partner aus der Verpackungsindustrie ein Vorhaben, Verpackungsmaterialien aus Hanf zu entwickeln.

Baumwolle

Zu den großen Baumwoll-Anbaugebieten zählen China, Indien, USA, Pakistan, Usbekistan, Kasachstan, Brasilien. Die Tradition des Anbaus und der Verarbeitung von textilen Rohstoffen in Mittelasien ist seit vielen Jahrzehnten mit negativen ökologischen Auswirkungen belastet. Baumwollanbau hat maßgeblich zur Verknappung der Wasserressourcen in der Region beigetragen, mit der fast vollständigen Austrocknung des Aralsees als direkte Folge. Im Zuge der globalen Konsumzunahme ist anzunehmen, dass die Abflussmengen der meisten Flüsse Zentralasiens um 30-50 % abnehmen und größeren Schwankungen unterliegen werden. Dies wird zu längeren Phasen mit Mangel an Bewässerungswasser führen. Darüber hinaus sind z. B. 60 % des usbekischen Agrarlandes, verursacht durch die Bewässerung, heute zumindest leicht versalzen. In Kasachstan verringerte sich die Anbaufläche für Baumwolle von 2005 bis 2015 um mehr als 50 %. Der stetig wachsenden Nachfrage nach Baumwolle steht mittelfristig die Reduzierung der landwirtschaflichen Erzeugung entgegen. Mittelfristig ist eine Teuerung der Bauwollprodukte zu erwarten.

Wir beschäftigen uns seit Jahren mit dem Vorhaben, für textile Garne Spinner zu gewinnen. In 2021 konnten wir einen Spinn-Partner gewinnen, mit dem sich eine interessante Zusammenarbeit entwickeln kann.

Kohleausstieg

Kohlekraftwerke liefern eine Anzahl von Produkten, neben den Hauptprodukten Elektroenergie und Wärmeenergie liefern Kohlekraftwerke deutlich umsatzschwächer aber trotzdem millionenschwer Calziumsulfat und anderes. Nahezu alle europäischen Gipsfaserwerke und Gipskartonwerke beziehen ihren Gips aus der Rauchgasentschwefelung von Kohlekraftwerken. Sollte in Deutschland der Ausstieg der Kohleverstromung umgesetzt werden, so müssen Gipskartonplatten und Gipsfaserplatten andere Lieferwege bekommen, was Frachtkosten und Produktkosten erhöht.

Es steht eine Marktverschiebung von Baustoffen aus Gips bevor. Billige Gipskartonplatten werden mittelfristig am Markt zurückgehen oder gar verschwinden.

Hier ist viel zu tun. Wir sind auf der Suche nach vielen Partnern, denn Hanf hat viel Potential.

Recycling-Vorschriften

Kurz- und mittelfristig ist in Deutschland nicht zu erwarten, dass Recycling-Vorschriften, die das Recyclieren von Dämmstoffen fordern, umgesetzt werden. Jedoch kann langfristig ein solcher Zwang seitens der EU auf Deutschland zukommen. In diesem Fall gilt unser größtes Interesse dem Ausbau unserer Kapazität.

Dazu wird es für alle Baustoffe drei Schwerpunkte geben:

  1. Ist der Baustoff rückbaubar?
  2. Ist der Baustoff trennbar?
  3. Ist der Baustoff wieder verwertbar?

Hanf ist die Antwort!

Klimawandel

Durch den Klimawandel, gleich ob dieser nun global oder "nur" kontinental ist, werden die Windzonen 3 und 4 breiter und erreichen Regionen, die bisher weniger windreich sind. Mit dieser Entwicklung müssen auch stärkere Wind-Sogkräfte und Wind-Scherkräfte in die Konstruktionen und die Ausführungen von Fassaden und Dächern aufgenommen werden.

Es kann möglich sein, dass geklebte Fassaden langfristig ersetzt werden müssen, und es kann sein, dass die Hinterlüftungen von Dächern anders gestaltet werden müssen oder gar durch andere Lösungen ersetzt werden.

Auch verzeichnet die landwirtschaftliche Erzeugung Notwendigkeiten der Anpassung und auch die Rohstoff-Logistik in der Hanf-Fabrik.

Wir brachten hier ein Projekt ein, in dem es um die Kimawandelanpassung bei der technischen Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse in der Uckermark geht.

Kurzfristige Entwicklung

Für die ökologischen Baustoffe war 2021 ein weiteres Jahr, in dem die politischen Rahmenbedingungen verharrten. Weder dass es seitens der Politik ein Bekenntnis zu Nachwachsenden Rohstoffen gab, noch wurden Rahmenbedingungen der Energie- Einsparverordnung formuliert, in der die Ökologie auch nur eine minimale Rolle spielen könnte. Auch wurden die Folgekosten bei der Verwendung von Nicht- Nachhaltigen Baustoffen in keiner Hinsicht politisch auch nur erwähnt. Das Thema Corona beherrschte die Politik.

Weder dass die Entsorgung der Bau- und Dämmstoffe Eingang in die Bewertung fand, noch dass die bei synthetischen Baustoffen notwendigen Fungizide verboten oder wenigstens eingeschränkt wurden. Die Energie- Einsparverordnung geht weiterhin davon aus, dass geschäumte Kunststoffe und sehr leichte Mineralfaser/Formaldehyd/Polyuretan-Mischungen gegenüber ökologischen Dämmstoffen bevorzugt werden müssen. Dabei beruft sich die Energie-Einsparverordnung auf unzureichende physikalische Voraussetzungen und ignorieren politisch Verantwortliche die seit vielen Jahren durch eben genannte „minderwertige“ Dämmsysteme verursachten zunehmenden Probleme der Bauschäden, insbesondere Feuchteschäden.

Weiterbildung Polnisch

Besuch aus Uganda

drohne Schwade Händler auf Strohballen Schwingstock Hanfbreche Hanfstroh aus aller Welt Generalreparatur_Brecher Max an Pickup

FuE_Mannschaft Lehrling Elzenbeck Garbenernte

Biolehmhaus drohne Rottweil

KlugeNow

Fassade Schwarzwald

Katze nach Arbeit

Wirtschaftsbericht

Der hier folgenden Wirtschaftsbericht ist um die Wirtschaftszahlen gekürzt. Die Wirtschaftszahlen sind vor allem für unseren genossenschaftlichen Mitgliedern gedacht.

Allgemeines

Die Hanf-Genossenschaft übernahm 2013 eine Hanf-Fabrik, die seit inzwischen 26 Jahren in der Uckermark Hanf verarbeitet. In der Region wird auf ca. 500 ha Hanf angebaut; in unserer Hanf-Fabrik wird er verarbeitet. Mit der Übernahme der Hanf-Fabrik durch die Hanf-Genossenschaft wurde das sozialökonomische Konzept der Genossenschaft mit den ökologischen Ansprüchen der Hanf-Fabrik vereinigt.

Mit der Unternehmensform der Industriegenossenschaft fließt neues Innovationskapital in das große Vorhaben: Hanf = Stoff der Zukunft.

Die Hanf-Fabrik gibt es seit 1996. Zur Gründung vor 26 Jahren gab es Nichts, keine Möglichkeit, Hanf zu ernten, keine Aufbereitungstechnik, keine Produkte, keinen Markt für eventuelle Produkte, NICHTS. Heute gibt es eine Hanf-Industrie; es gibt Erntetechnik, Aufbereitungstechnologie und Verarbeitungsmaschinen, Produkte, die technische Herstellung der Produkte, Prüfungen, Zulassungen, Normen, Markt und Marktanteile, viele Perspektiven.

Die Rohstoffwende wird zwei Schwerpunkte haben:

  1. Nachwachsende Rohstoffe;
  2. Stoffkreisläufe.

Bauen mit Hanf

Die Hanffaser Genossenschaft produziert Baustoffe aus Hanf und vertritt den konsequent ökologischen Bau, denn wir glauben: Die Rohstoffwende muss kommen! Und sie wird alle Bereiche erfassen; mit Baustoffen haben wir schon begonnen.

Das Geschäftsjahr

Schwerpunkt - neben dem Ausbau unserer Marktstellung und neben vielen Entwicklungsvorhaben – war das Bestehen inmitten der Corona-Krise. Alles beherrschend machte diese auch der Hanffaser-Genossenschaft schwer zu schaffen.

Trotzdem gelang es, den Umsatz zu steigern und die Marktposition zu festigen.

Entwicklung der Erlöse nach Geschäftsbereich

Der wirtschaftliche Schwerpunkt des Unternehmens bleibt die Produktion von Baustoffen aus Hanf. Einige Produkte wurden zugekauft und in Vertrieb genommen, der Anteil der eigen produzierten Baustoffe blieb dominant, und wird es auch bleiben. Die Umsatzerlöse aus Produktion und Vertrieb konnten deutlich gesteigert werden; außerdem gelang es auf der anderen Seite deutlich größere Mittel und Erlöse für die Forschung und Entwicklung im Unternehmen zu erwirtschaften.

Mitgliederentwicklung

Unsere Hanf-Genossenhschaft hatte zum 31.12.2021 92 Mitglieder.

Mitarbeiterentwicklung

Trotz Corona-Krise konnte die Hanffaser Uckermark in 2021 ihre Mitarbeiter- Zahl im Durchschnitt halten. In der Produktion waren 16 Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Altersdurchschnitt betrug 43,0 Jahre. Die Berufsgenossenschaft schreibt vor, dass die schweren Arbeiten in der unmittelbaren Produktion ausschließlich durch Männer zu verrichten sind. Die innerbetriebliche Weiterbildung wird bei uns groß geschrieben, auch für Akademiker, auch für Ungelernte.

Im Vordergrund stehen dabei die innerbetriebliche Weitergabe technischen Wissens, aber auch die vielen Belegschaftsrunden und technischen Besprechungen.

Vorstand und wissenschaftliche Mitarbeiter besuchten Seminare und Fachkonferenzen, unter anderem ein Seminar für Führungskräfte des Genossenschaftsverbandes.

Markt

Schwerpunkt unseres Vertriebes eigener Produkte bleibt der deutschsprachige Raum. Auf eine feste Bindung mit unseren Vertriebspartnern baut sich die Stabilität der Umsatzentwicklung auf. Einige weitere Handelspartner konnten gewonnen werden, jedoch ist unser oberstes Ziel, die Bindung zu den bestehenden, langjährigen Handelspartnern zu intensivieren.

Anlagevermögen und Investitionen

Große Teile der Fabrikanlagen befanden sich bis 2019 im unkündbaren Mietverhältnis. Das nicht geschriebene Anlagevermögen umfasst Maschinen, Reservemaschinen, Werkstatt und sonstige Vermögensgegenstände, die eine Fabrik im Laufe von Jahrzehnten anschafft und bereits abgeschrieben wurde. 2020 wurden 55 % dieser bis dahin gemieteten Fabrikanlagen in das Eigentum der Hanffaser Uckermark eG überführt. Für die weiteren 45 % bleibt eine langjährige Übernahme mit geringen jährlichen Aufwendungen vereinbart.

Die genossenschaftlichen Einlagen wurden von der Hanffaser Uckermark eG genutzt, um zum einen das Umlaufvermögen zu stabilisieren, zum anderen um Entwicklungsprojekte weiter zu verfolgen und zum dritten um zu investieren. Da es aber nun bekanntlich keine Standardmaschinen zur Hanfverarbeitung auf dem Markt gibt, ist jede Investition auf dem Hanf- Gebiet mit technologischer Entwicklungsarbeit verbunden.

Generalüberholung der Hauptanlage

Bereits 2020 begann die Hanffaser Uckermark, Schritt für Schritt die Hauptanlage durch Ersatzinvesitionen oder Generalüberholungen in einen erneuerten Zustand zu setzen. Diese Ersatzinvestitionen werden uns noch einige Jahre begleiten.

Forschung und Entwicklung

Hitze- und Schallschutz Dachdämmung EBD

Seit einigen Jahren bereits wird die Entwicklung einer „Hanffaser-Einblasdämmung“ vorbereitet. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Wismar und dem langjährigen Partner GEKO Maschinenbau GmbH soll im Rahmen eines Verbundprojektes die Herstellung und das Produkt entwickelt und zur Reife geführt werden.
Coronabedingt gestaltete sich die Zusammenarbeit in 2021 schwierig und zumeist online.

Nutzung des Hanfbastes des Hanfroboters

Im Anschluss an eine erfolgreiche Kooperation mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut (STFI) im Rahmen des Heavytow-Verbundvorhabens begann im November 2019 ein neues Kooperationsprojekt mit der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig und einem Bauunternehmen aus Sachsen zum Thema: hanffaserkunststoffverstärkte, hochleistungsfähige und ressourceneffiziente Holz-Beton-Verbund-Decken.
Coronabedingt gestaltete sich die Zusammenarbeit in 2021 schwierig und zumeist online.

Erntesystem für den Hanf-Roboter

Für die neuen Anforderungen des Rohmaterials, welches dem Hanf-Roboter zur Verfügung gestellt werden muss, ist ein anderes Erntesystem vonnöten. Seit 2017 arbeiten wir auf der Grundlage einer alten sowjetischen ZK-52, um die Ernte für die Entwicklungsperiode sicherzustellen. Eine Zusammenarbeit mit dem IngBüro Thilecke eröffnete dabei eine Weiterentwicklung hin zu einem Maschinenmodul, welches auch moderne Ansprüche erfüllt.
Coronabedingt gestaltete sich die Zusammenarbeit in 2021 schwierig und zumeist online.

Schwingrasen aus komplett nachhaltigen Materialien

Mit dem Ziel einer Nährstoffreduktion in nährstoffreichen Oberflächengewässern ist innerhalb eines Verbundvorhabens Aufgabe der Hanffaser Uckermark, einen Schwingrasen zur Bepflanzung mit Halophyten zu entwickeln, der ausschließlich aus Nachwachsenden Rohstoffen unter Vermeidung jeglicher Plastik- und Metallbestandteile besteht. Hier wurden Muster bereit gestellt.
Coronabedingt gestaltete sich die Zusammenarbeit in 2021 schwierig und zumeist online.

Seminare und Veranstaltungen

Generalversammlung

Die für den Mai 2021 geplante Generalversammlung unterlag den Entwicklungen der Corona-Bestimmungen. Gemäß Pandemiegesetz stellte der Aufsichtsrat am 17. Mai 2021 den Jahresabschluss fest.
Am 07. August 2021 fand nun schließlich die ordentliche Generalversammlung statt. Hier wurden Jahresabschluss und Jahresbericht vorgestellt sowie Vorstand und Aufsichtsrat entlastet. Eine Gewinnausschüttung wurde aufgrund eines fortgeschriebenen Bilanzverlustes in 2021 nicht beschlossen.

Seminare, Messen und Kongresse

Messen stuft die Hanf-Genossenschaft als nicht mehr zeitgemäß ein, zumal die Coronnabeschränkungen sowieso die Messen unattraktiv machten. Kongresse konnten während der Sommermonate besucht werden, so der Nachhaltigkeitskongress in Chemnitz.
Web-Konferenzen wurden zur Norm, was zur Folge hatte, dass diese überaus zahlreich durchgeführt wurden. Im Nachhinein kann räsoniert werden, dass eine web-Veranstaltung auf keinen Fall ein direktes Treffen ersetzen kann.
Ein Studententag wurde nicht durchgeführt.
Auch auf das jährliche Sommerfest wurde verzichtet.

Händlertreffen und Seminar

Seit vielen Jahren richten wir ein Treffen unserer Leithändler verbunden mit einem 3-tägigen Seminar aus. Am 03. - 05. September 2021 wurden an Modellen mit tatkräftiger Unterstützung der Teilnehmer spezielle Beispiele zum Bauen mit Hanf vorgestellt und diskutiert. U.a. verschiedene Anwendungsmöglichkeiten der Hanf-Lehm-Schallschüttung und der Wandaufbau mit der LLS 400 fanden großen Zuspruch. Ein neues Entwicklungsvorhaben für die Errichtung einer Pausenraumes in der Produktionshalle 3 wurde vorgestellt unter aktiver Beteiligung aller Anwesenden.

Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, Liquidität

Die Angaben zur Vermögenslage, zur Finanzlage, zur Fremdfinanzquote, zum Jahrescashflow, zur Dividende, zur Ertragslage, zu Zinsen und Steuern, zu den Energie und Lohnkosten, zur Liquidität, zum Eigenkapital, zu Rückstellungen, zum Wachstum, zum Anlagevermögen sowie zum Jahresabschluss lassen wir an dieser Stelle unveröffentlicht. 

Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Coronazeit war die wirtschaftliche Lage am Ende des Jahres 2021 positiv.

Trotz vieler politischer Risiken, insbesondere außerhalb der EU und auch global, beurteilen wir die wirtschaftliche Entwicklung sowie die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage als kurz- und mittelfristig gut.

Vorgänge von besonderer Bedeutung nach Schluss des Geschäftsjahres

Die Ukraine-Krise ist von so erheblichem Einfluss auf die Weltwirtschaft, auf die deutsche Wirtschaft und auch auf unsere Branche, dass eine Beurteilung der Folgen heute noch nicht vorgenommen werden kann.

Prognose-, Chancen- und Risikobericht

Voraussichtliche Entwicklung der Gesellschaft
Grundsätzlich wollen wir, wie auch schon in den Vorjahren, die Entwicklung von einem sehr konservativen Standpunkt aus betrachten und schließen der Vorsicht halber alle die Branche und das Unternehmen fördernden Veränderungen der Rahmenbedingungen aus. In der Tat konnten neue Produkte entwickelt und in den Verkauf gebracht werden. Wir konnten neue Händler hinzugewinnen und wir stehen insbesondere auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung so stark da wie noch nie. Gerade diese Stärke soll Ausgangspunkt einer erfolgreichen Weiterführung unserer Geschäftstätigkeit sein.

Chancen der künftigen Entwicklung
Aufbauend auf den eigenen Entwicklungen von Produktion und Produkten, aufbauend auch auf dem Händlernetz und aufbauend auch auf den gewachsenen Partnerschaften steht einer Prosperität des Unternehmens kaum etwas im Wege.
Auch weiterhin setzen wir auf Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit außerbetrieblichen Partnern, sowie auf innerbetriebliche Entwicklungsvorhaben.
Das neue Geschäftsjahr baut auf die Fortführung der erfolgreichen Wege und auf die Etablierung neuer Märkte und Produktgruppen aufgrund erfolgreicher Entwicklungsprojekte. Dabei bleibt aber die Notwendigkeit der konsequenten Umsetzung der ökologischen und sozialökonomischen Paradigmen als Säulen der Unternehmensführung.

Risiken der künftigen Entwicklung
Da wir als großes, innerdeutsches Hindernis das weitere Bestehen der hinderlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen ansehen, besteht das Risiko, dass diese so negativ bleiben wie sie sind. Damit aber lebt die Hanffaser Uckermark seit zwei Jahrzehnten.
Ein weiteres Risiko besteht in den gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft. Unsere Produktion ist sehr stark von der Landwirtschaft abhängig. Seit vielen Jahren ist der Hanf subventionsfrei, etwa wie Winterweizen oder Sommergerste. Die Getreidepreise steigen aber, und steigen und steigen.
Derzeit fließen natürlich in die Landwirtschaft Subventionen, etwa in die bestehenden Betriebsstrukturen, in einige kleinere Bereiche und ganz massiv in den Anbau von Mais für die Energiegewinnung in Biogasanlagen. Der Mais ist für den Hanf eine Sommerfruchtkonkurrenz. An diese für uns negative Situation, verursacht durch staatliche Subventionspolitik, haben wir uns gewöhnt und können damit leben.
Ein Risiko besteht jedoch darin, dass erneut nicht vorhersehbare Subventionen für die Landwirtschaft beschlossen werden, die noch stärker auf die ohnehin schon starke Flächenkonkurrenz drücken. Hier ist eine Prognose schwierig, da mit politischen Rahmenbedingungen nicht zu kalkulieren ist.

internationale Risiken im Nachtrag des Geschäftsjahres
Durch den Russland-Ukraine-Konflikt können sich nachhaltige Belastungen auch für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Genossenschaft ergeben. In welchem Umfang sich die Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage unserer Genossenschaft niederschlagen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer abzuschätzen.

Auf jeden Fall würde die derzeit angestrebte Trennung der Wirtschaftsgebiete GUS und EU die Rohstofflage extrem verschieben, was durchaus auch positive Faktoren in Richtung Hanf bringen könnte. Auf der anderen Seite ist eine noch größere Verschiebung der Abhängigkeit des Rohstoffbezuges vom Dollar zu befürchten.

Die ohnehin hohen Weizenpreise werden durch die Konflikte mit den Lebensmittelexportstaaten Ukraine und Russland enorm steigen, was den Druck auf die landwirtschaftliche Erzeugung vergrößern muss.

Weiterhin ist eine mögliche Verschärfung der Coronamaßregeln im internationalen Umfang zu befürchten, was durchaus Auswirkungen auf verfügbare Arbeitskräfte hätte. Insbesondere sind Ausfälle von Kollegen zu erwarten, wenn die Impfung auch in Betrieben verpflichtend wird.

Die Zahlen zum Jahresabschluss, zur Bilanzsumme und zur GuV entnehmen Sie bitte den Veröffentlichungen im Bundesanzeiger.