Vision und Realität

Rainer Nowotny
Rainer Nowotny

Vision der real existierenden Hanf-Genossenschaft

 


Hanf-Genossenschaft
Die Hanf-Genossenschaft ist eine Wirtschaftsgenossenschaft, das heißt, sie ist ein fast normaler Wirtschaftsbetrieb mit genossenschaftlicher Führungs- und Eigentumsform.
Nun ist jedoch das Genossenschaftsgesetz ursprünglich und auch noch heute ausgelegt auf 1. Einkaufs- und Verkaufs-, 2. Vermögens- (Windräder-, Immobilien-), 3. Landeigentümer- (Agrar) oder 4. Kredit-Genossenschaft. Wir aber glauben, dass neben der Organisationsform von Konsum und Vermögensverwaltung besonders und grundlegend die Organisationsform von Produktion und Wertschöpfung das Wesen unseres Gemeinwohls bestimmt.
Daher sind wir angetreten, mit der Hanf-Genossenschaft die Industrie-Genossenschaft zu etablieren; der heutigen Zeit die genossenschaftliche Idee für eine moderne Industrie- und Informationsgesellschaft anheim zu stellen.

Industrielle Wirtschaft ist zunächst eine äußere Form von Schaffen. Die Hanf-Genossenschaft schafft zunächst einmal Produkte.
Produkte aber müssen entwickelt und später hergestellt und optimiert werden. Diese Prozesse sind nun kulturelle Leistungen.
Produkte aus Hanf und anderen Nachwachsenden Rohstoffen sind unsere Aufgabe!
Arbeitsplätze schaffen wir in der eigentlichen Wertschöpfung, also beim Herstellen von Gebrauchswerten, die durch Handel und Vertrieb zu Waren des Marktes werden - Produkte werden erst öffentlich durch den Markt.

Genossenschaft ist nach deutschem Recht eine Unternehmensform unter vielen, deren Aufgabe das wirtschaftliche Überleben und darüber die wirtschaftliche Entwicklung ist.
Eine einzelne Genossenschaft wird kein System verändern.
Aber eine Genossenschaft kann eine Vision beinhalten und eine Möglichkeit zur Selbsthilfe, unabhängig vom Hoffen auf politische Veränderungen.
Aus einer solchen Vision können sich vielleicht Keimzellen für eine politische Wende entwickeln.


Einfach ist es, das Rad anzuhalten, aber es braucht viel Kraft, es wieder in Schwung zu bringen.

Vor 25 Jahren gab es außer Sensen und Mähbalken nichts, womit Hanf hätte geerntet werden können; es gab keine Verarbeitungsmaschinen; es gab keine Produkte und keinen Markt.
In den letzte 20-25 Jahren wurde das Fundament nun gelegt für eine starke Hanf-Wirtschaft. Es gibt Erntesysteme, Verarbeitungseinheiten, Maschinen und Anlagen, Verarbeitungskapazitäten, Zulassungen, Zertifikate, es gibt Produkte und es gibt einen Markt mit einer Händlerstruktur und mit Weiterverarbeitern.

Doch noch immer beherrschen uns die Hindernisse der Politik. Die Erdölgier aus fremden Ländern bringt Krieg, Vertreibung und Flüchtlinge.

Die Hanf-Wirtschaft steht für die Stoffkreislaufwende.

Das Wort „Hanf“ ist in Zeiten des Verbotes für viele Menschen ein Symbol für zivilen Ungehorsam. Diesem privaten Widerstand geben wir unsere schaffende Gemeinschaftsaufgabe anbei: Die Hanf-Genossenschaft!
Die Stoffkreislaufwende haben wir mit unserem Erfolg "Hanf als Baustoff" schon begonnen.
Doch Hanf steht auch auch für die Textilindustrie, für die Zellstoff- und Viskose-Industrie, für die gesamte Leichtbau-Technik mit Hanf als Verstärkungsfaser und andere Nachwachsende Rohstoffe als Biopolymer-Basis, und für viele andere technische Anwendungen.

Hanf ist der Stoff der Zukunft:

Die Hanf-Wirtschaft steht für
-  gelebte Deglobalisierung,
-  gelebte Ökologie,
-  gelebte Sozialökonomie,
-  gelebte Nachhaltigkeit,
-  gelebte Entsorgungsvermeidung.
Und die Hanf-Genossenschaft ist auch ein Stück gelebte Kapitalismuskritik.

Eigentum

Nach dem bürgerlichen Gesetz ist derjenige Eigentümer über Produktionsmittel, also insbesondere über Fabriken, auf dessen ursprüngliches Eigentum entweder der Anfang beruhte und auf dessen Namen Kredite und andere Finanzierungen ausgelobt wurden, oder der, welcher Produktionsmittel vom vorherigen Eigentümer übernahm, durch Kauf, Erbe oder Überschreibung.
Doch spiegelt sich in Eigentums-Rechten nicht die Schaffung des Besitzes wider. Denn wer, so Brecht, "erbaute das siebentorige Theben?"
Eigentum an gesellschaftlichen Produktionsmitteln ist stets gesellschaftlich erworben.
Nicht Tisch und Bett und Herd = das sind klare private Eigentumsdinge, privat erwirtschaftet und privat genutzt.
Uns interessieren Produktionsmittel wie Fabriken und Kraftwerke. Gleiches gilt für Warenhäuser und Banken, sie besitzen und verwalten vergegenständlichte Werte, Kapital und Kapitaläquivalente, die gesellschaftlich erarbeitet wurden.

Da nun die Produktionsmittel durch die Arbeiter, Angestellte, Techniker, Wissenschaftler und Führer, aber auch von den vielen zuarbeitenden Gewerken geschaffen, finanziert und zum erfolgreichen Wirtschaften entwickelt wurden, kann der bürgerliche Privatbesitz diese Tatsache nicht widerspiegeln. Hier verbirgt sich ein grundlegender Widerspruch unserer Gesellschaft.
Ansatzweise nur kann der Genossenschaftsgedanke hier ein Modell entwickeln, wie dieser Widerspruch in späteren Tagen aufgelöst werden kann.

Besitz ist nichts. Verantwortung ist alles.

Durch eine Genossenschaftsform sind Verhökern und Verscherbeln, also die Marktfreiheit am Unternehmenseigentum stark reguliert und auch der in diesem Zusammenhang stehende Kapitalhandel. Unter derzeitiger Gesetzeslage in unserer derzeitigen Gesellschaft ist der Markt des Unternehmenseigentums eine spezielle Form des Kapitalhandels. Eine Genossenschaft entzieht sich weitestgehend diesem Kapitalhandel.

Führung  eines Unternehmens
Sinnbild der großen Unternehmer im 19. Jahrhundert waren die Unternehmer-Patriarchen;  in Deutschland insbesondere Engels, Krupp oder Stumm. Sie schufen ihr Unternehmenspatriarchat nur Jahrzehnte nach der Anschaffung der Leibeigenschaft. Und sie setzen sich an die Stelle des Gutsherren und Junkers über Leibeigene, nannten sich Industrielle und verkörperten den großen Papi, der über alles im Unternehmen wachte. Meist wurde in der Erbfolge die patriarchische Kraft abgeschwächt oder es kam zum Wechsel in der von Männern dominierten Führung. In den sozialistischen Ländern des 20 Jdh. trat an die Stelle des vererbten Patriarchen der Direktor und ansatzweise auch die Direktorin. Dieser oder diese wurde von der Partei also der Politik eingesetzt, und ihn oder sie erwartete irgendwann eine angemessene Berentung. Der Aufsichtsrat wurde durch einen Betriebsparteisekretär ersetzt. Die patriarchische Methode wurde nur ansatzweise gebrochen, blieb oft im alten Muster - immerhin ohne Erbfolge. Heute noch werden große Konzerne geführt wie von Krupp oder Stumm.

Neue Unternehmensführung der Hanf-Genossenschaft
Ein modernes Unternehmen muss schnelle Entscheidungen fällen, muss Vertrauen verbreiten, muss auf Vertrauen bauen. Innovationen entstehen nur dort, wo Kreativität der Mitarbeiter und Mitstreiter nicht gehemmt werden. Voraussetzung von Selbstorganisation in Innovation und Führung ist neben mancherlei die Selbstverantwortung. Darum müssen Hierarchien gebrochen werden und verzweigt bis in die Zellen des Unternehmens reichen. Verantwortungsbereiche müssen nach unten abgegeben werden. Und dazu muss ein Vertrauen in die Lauterkeit und die Innovationsbereitschaft aller Mitarbeiter vorhanden sein. Für dieses fanden wir das Wort Cheftransfer.
Unsere Hanf-Genossenschaft wird im Kollektiv geführt und teilt folgende Verantwortlichkeiten:
- Entwicklung, - Produktion, - Landwirtschaft, - Qualität, - Rechnungswesen, - Vertrieb, - Marketing, - Recht,  - Logistik, - Beschaffung, - Investition, - Öffentlichkeit

Neue Wege
Man kann Waren herstellen, die der Markt verlangt. Aber das reicht nicht, man muss neue Produkte entwickeln. Auch das reicht noch nicht.
Nicht nur Produkte, die auf dem Markt eine Verkaufschance haben, sonder man muss Produkte herstellen, die gesellschaftlich wichtig sind.  Produkte, die unsere Gesellschaft voranbringen. Produkte, die für alle wichtig und richtig sind! Ökologisch! Nachhaltig! Produkte für eine lange Zeit!
Dafür muss die Hanf-Genossenschaft:
Neue Technologiern entwickeln.
Neue Perspektiven und Märkte öffnen.
Neue Konzepte zu Bauen entwickeln.
Neue Philosophie am Bau preisen.
Neue Philosophie und neue Konsequenz im Unternehmen umsetzen.
Und das gilt alles auch für andere Bereiche der Hanfwirtschaft: Hanf-Textilien, Faserverbundwerkstoffe, Biopolymere, Zellstoffe und vieles mehr.

Fragen, die sich eine sozialökonomische Genossenschaft stellen sollte
Unsere Genossenschaft ist natürlich ein Wirtschaftsunternehmen, welches zunächst den Regeln des Wirtschaftslebens entsprechen muss. Darüber hinaus wollen wir aber den Grundsätzen unserer Satzung entsprechen, den dort festgeschriebenen gesellschaftlichen und ökologischen Richtlinien sowie den moralischen Vorstellungen unserer Präambel. So müssen und möchten wir uns auch unserer sozialen Verantwortung stellen. So erlauben wir uns, einige bekannte und viel diskutierte Grundsatzfragen zu listen: Wie wird die Arbeit bewertet und welcher Lohn entspricht dieser Arbeit? Und nach welchen Richtlinien wird verglichen?
Dafür gibt es folgende Ansätze:
1. Gleiches Geld für alle oder nur für gleiche Arbeit? oder
2. Jeder nach seiner Leistung? oder
3. Jeder nach seinen Fähigkeiten? oder
4. Jeder entsprechend seiner Qualifikation?
Wie verrechnet man beispielsweise Leistung mit einem Qualifikationsfaktor für höher qualifizierte Arbeit?
Gibt es denn bessere und mindere Arbeit? Muss man die Arbeit eines Leiters oder Ingenieurs höher stellen als die Tätigkeit eines Hilfsarbeiters? Welchen Unterschied darf es geben zwischen dem Geringstverdienenden und dem Höchstverdienenden im Unternehmen? In unserer Hanf-Genossenschaft bekommt der Vorstand (Stand 01.01.2016) ca. 25 % mehr als der Geringstverdienende.
Jeder nach seinen Bedürfnissen? Normalerweise braucht man als junge Mutter oder junger Vater mehr, da man die Familie erst aufbaut. Als älterer Arbeitnehmer, wenn die Kinder aus dem Haus sind, braucht man im Grunde weniger. Man sollte doch aber nach vielen geleisteten Arbeitsjahren nicht weniger bekommen?
Natürlich spiegelt sich die Nähe zu Polen im Lohngefüge unserer Region wider. Dem Trend, dass Unternehmen unserer Region in das deutlich geringere Lohngebiet Polen abwandern, werden wir nicht folgen. Auch wenn wir dadurch einige Produktgruppen nicht herstellen können.

Wie lebt der Hanf inmitten Styropor-Propaganda?
Wir leben in der Zeit der ausklingenden Wohlstandsgesellschaft, die ihr Ende noch gern leugnet. Eines der effektiveren Mittel dieser Entleugnung ist die Sichtbarmachung der Dekadenz.
Tatsächlich ignorieren Politik und Medien nötige Änderungen, ein Umdenken, und die Abkehr von falschen Wegen, zugunsten der Förderung und Bewerbung längst verwerflicher Produkte, wie etwa die Styroporfassade.
Politik, Medien und transatlantische Wirtschaftsinteressen verlangen, dass alles so weiter geht, nur noch schneller, dem Abgrund entgegen.
Und warum gibt es trotzdem Hanf- Dämmung? Weil die 5% Wachen unter der Bevölkerung eben nicht die Augen verschließen, vielmehr dem Abgrund die eigene Verantwortung entgegensetzen.
Wir danken diesen 5% für unseren gemeinsamen Weg.