Hanfanbau

Hanf, Cannabis sativa L., ist eine einjährige Nutzpflanze mit buschigem Wuchs, zweikeimblättrig und zweihäusig. Die ausgeprägte Pfahlwurzel durchdringt wassersuchend auch schwere Böden. Der landwirtschaftliche Anbau unterdrückt durch dichtere Saat die Verzweigung, wodurch er zu einem geraden, schlanken und unverzweigtem Wuchs gezwungen wird.

Anbau und Pflege

Standort bevorzugt tiefgründige, humose und N-reiche Böden mit guter Wasserversorgung;
reagiert empfindlich auf Bodenverdichtungen und Staunässe
Saatbett feuchtigkeitsbewahrende Saatbettbereitung im Frühjahr;
feinkrümelig und rückverfestigt
Aussaat Ende März / Anfang April - nicht später!
50 kg/ha; ca. 250 keimfähige Körner/m²;
Saattiefe: 3 - 4 cm mit üblichen Drillmaschinen;
verträgt geringe Nachtfröste;
Düngung Grunddüngung zur Aussaat; alternativ: Gülledüngung im Herbst;
KEINEN Pflanzenschutz!
Größe 3 bis 4 m hoch; auf Niedermoorböden bis zu 5 m
Ernte Schneiden und Schwadablage im August;
Schwaddrusch im September;
Pressen im Oktober
Röste Feldröste: 2 bis 4 Wochen auf dem Acker (Schwadröste durch Regen oder Tau)
Fruchtfolge selbstverträglich;
sehr gute Vorfrucht vor Weizen;
bereinigt den Standort

Bei 90-92% gemessener Keimfähigkeit und einer Aussaatstärke von 50 kg/ha, also ca. 250 keimfähigen Körnern/m², etablieren sich nur ca. 200 Keimpflanzen, die sich während der Vegetationsperiode auf 140-160 Pflanzen reduzieren. Bei geringeren Aussaatstärken bereitet die Ernte allergrößte Schwierigkeiten.

Trockenheit

Hanf benötigt ausreichend Wasser. Da Hanf aber eine lange Pfahlwurzel ausbildet, muss der Niederschlag nicht gleich verteilt fallen, da er sich in trockenen Perioden aus tieferen Schichten versorgen kann. Ein dichter Pflanzenbestand beschattet bereits Ende Mai vollständig den Boden und schützt so vor dessen Austrocknung. Bei Frühjahres-Trockenheit oder Frühsommer-Trockenheit über April, Mai, Juni hilft nur: Frühe Aussaat.

frühe Aussaat

Da die letzten Jahre von extremer Frühsommertrockenheit geprägt waren, erwies sich eine frühe Aussaat als um so wichtiger. Sobald die Maschinen auf den Acker können, sollte das Saatbett bereitet und sofort gedrillt werden. Pflügen möglichst schon im Herbst, nicht im Frühjahr. So kann die Nässe des Winters von der jungen Hanfsaat genutzt werden, bis sich ihre Wurzeln in tiefere Schichten ausgebildet haben.
Frostschäden konnten wir in den letzten 20 Jahren NICHT beobachten.

Ernte

Die Ernte erfolgt in drei Schritten:

  1. Schneiden: Die 4 m hohen Pflanzen werden grün im August mit Spezialkombines geschnitten, wobei die Stängel auf ca. 1 m eingekürzt werden. Das Erntegut wird im Schwad zum Trocknen abgelegt.

  2. Dreschen: Mit Spezialmähdreschern wird das trockene Erntegut entsamt. Es wird wieder im Schwad zum Rösten abgelegt.

  3. Pressen: Nach der Röste (3-4 Wochen) wird mit Großballenpressen das Erntegut verpresst. Dabei sind nur Pressen geeignet, die keine Zusatzaggregate zum Schneiden besitzt.

Röste

Die Röste ist ein komplexer mikrobiologischer Prozess, der mehrere Wochen dauert und bei dem Lignin und Pektine abgebaut werden. Damit lassen sich Holzanteile des Stängels besser von den Fasern trennen. Außerdem zerfasern die Bastfaserbündel besser. Nebenbei wird sowohl das Hanfstroh als auch das Fasermaterial weicher und flexibler. Gut gerösteter Hanf ist grau bis dunkelgrau (hier gezeigt nach einfachem Brechen mit der Hand):

Zusätzliche Informationen für Vertragspartner:

Aussaat und Pflege

Nach einer Herbstfurche (bei gutem Kulturzustand des Bodens kann auch pfluglose bearbeitet werden) ist ein feinkrümeliges Saatbett ohne Verkrustung herzurichten. Der Acker sollte so locker wie für Kartoffeln sein. Bei Wiesenumbruch ist der Einsatz der Scheibenegge in mehreren Arbeitsgängen nötig.

Die Aussaat erfolgt im März/April in einer Saattiefe 3 - 4 cm, in einer Reihenweite wie Getreide. Eine Saatstärke von 50 kg/ha oder mehr sollte unbedingt eingehalten werden. Wird erst Ende April gedrillt, so kann eine Frühsommertrockenheit die Ertragsaussicht arg gefährden.

Organischen Dünger im Herbst verträgt Hanf sehr gut.

Durch den Hanfanbau erfolgt eine verhältnismäßig geringe Nährstoffabfuhr (25-30% gegenüber Winterweizen). Jedoch kann Nährstoffmangel nur durch ausreichend Feuchtigkeit (Grundwassernähe) ausgeglichen werden. Auf Moorböden können N-Gabe deutlich reduziert werden. Die Düngung sollte zur Saat erfolgen, nicht später.

Abgesehen von einer Saatgutbeize ist von jeglichem Pflanzenschutz abzusehen.

Die Ernte erfolgt mit Spezialmaschinen. Die Pflanzen werden geschnitten, gekürzt und in ein breites Schwad abgelegt. Die Röste ist das dominante Kriterium für den Preis. Dabei bleibt das Erntegut im Schwad auf dem Acker liegen.

  • Leichte Röste:

    • 2 Regentage bei 15°C und mehr (September); oder
    • 7-8 Regentage bei 8-12°C (Oktober)
  • Volle Röste:

    • 7-8 Regentage bei 15°C und mehr (September); oder
    • 15-19 Regentage bei 8-12°C (Oktober)

Bei kälteren Außentemperaturen röstet der Hanf wenig. Das Pressen des trocknen, gerösteten Strohs erfolgt in Rund- oder Quaderballen. Es muss so fest wie möglich gepresst werden; leichte Ballen sind teuer zu transportieren und nicht lagerfähig. Die gepressten Ballen sind umgehend trocken einzulagern oder sofort zur Fabrik abzutransportieren.

Für Hanfstroh guter Qualität wird ein Preis von 140 €/t gezahlt.
Hanfsamen empfehlen wir, direkt zu vermarkten. Anderenfalls zahlen wir 90 €/dt bzw. 180 €/t für kbA.
Über die Qualität des Hanfstrohs entscheidet bei den zertifizierten Hanfsorten nur:

  1. Die Dicke der Stängel (maximale Stängeldicke = 10 mm)
  2. Die Röste: Gut gerösteter Hanf (R8-R10) läßt sich durch einfaches Brechen vollständig entholzen. Dabei ist das Stroh außen dunkel. Bei einer leichten Röste fällt etwa die Hälfte des Stängelmarks nur durch Brechen heraus, einige Teile bleiben haften. In beiden Röstkassen ist das Stängelmark aber hell.

Überrösteter Hanf ist nicht nur außen dunkel, sondern auch das Stängelmark zeigt dunkle Flecken. Dieser überröstete Hanf ist minderwertig.
Bei einer ungenügende Röste sind Teile des Stängels noch grün, beim Brechen der Stängel fällt das gebrochene Stängelmark nicht von allein heraus.
Die Hanf-Faser-Fabrik verarbeitet vorzugsweise Hanf der Röstklasse R3 - R5.

Samenreife und Samenertrag

Der theoretische Samenertrag bei gutem Bestand beträgt 10 dt/ha. Jedoch nur theoretisch.
Hanfsamen reifen ungleichmäßig ab, sodass die ersten (oberen) Samen bereits reif sind, wenn die unteren Samen gerade milchreif werden. Wenn dann die unteren Samen reif werden, sind die oberen Samen längst ausgefallen.
Hinzu kommt, dass die Schalen der Hanfnüsse bei Schlag- und Druscheinwirkung schnell aufplatzen, was die Haltbarkeit auf wenige Wochen beschränkt.
Wird ausschließlich Samen im Direktdrusch gewonnen, ohne Ernte des Strohs, so können 4 - 6 dt/ha erwartet werden. Bei einer kombinierten Ernte von Stroh und Samen werden 3 - 5 dt/ha Samenertrag erwartet.

Untere Deckungsbeitragsrechnung 2015

Hanf Winterweizen Sommergerste
Pacht 35 BP 350 € 350 € 350 €
Pflügen + Saatbettbereitung 70 € 70 € 70 €
Säen 30 € 30 € 30 €
Saatgutkosten 220 € 95 € 75 €
Düngen 30 € 30 € 30 €
NPK Düngerkosten 100 € 300 € 200 €
Spritzen 30 € 30 €
Pflanzenschutz 200 € 130 €
Mähdrusch 110 € 110 €
Schneiden & Dreschen 90 € + 90 €
Pressen 200 €
Korntransport 25 km + Trocknung (3-5dt) 10 € (90dt) 30 € (48dt) 20 €
Transport Ballen 30 km 80 €
Stoppelbearbeitung 30 € 30 € 30 €
gesamt 1.300 € 1.275 € 1.075 €

Ertragserwartung

Eine Aussaatstärke von 50 kg/ha entspricht bei 92% Keimfähigkeit und 18 TKG einer Keimdichte von 255 /m². Insbesondere im Frühwachstum erfolgt eine Ausdünnung, sodass zur Blüte nur 120-130 Planzen /m² den Bestand bilden. Bei geringerer Aussaatstärke kann die Ausdünnung im Frühwachstum noch stärker erfolgen, daher ist die Aussaatstärke nicht zu verringern.

Bei ausreichend Wasserversorgung im Frühjahr und Vorsommer wird der Bestand je nach Sorte 3,5 bis 4,0 m hoch.
Wenn aufgrund Wassermangels die Pflanzen nur halb hoch werden, sinkt die Ertragserwartung auf 1/2³ = 1/8. Die Erwartung von 10 t/ha bei normalen Bestand sinkt auf 1,25 t/ha bei halbhohem Bestand.

Erlöse

  • Ertrag auf anmoorigen Standorten: bis 12to/ha Stroh
  • Ertrag auf Mineralböden > 35 BP: 9-10to/ha Stroh
  • Ertrag auf Mineralböden < 35 BP: 7-8to/ha Stroh
Hanf Winterweizen Sommergerste
Ertrag (35 BP) 8 to Stroh + 3 dt Saat 90 dt 48 dt
Marktpreis Stroh 140 €/to
Saat 130 €/dt (kbA: 250 €/dt) 16,20 €/dt 20,30 €/dt
Ertrag 1.510 €/ha 1.458 €/ha 974,40 €/ha

Transportkosten

Die Kosten für den Transport zur Hanf-Fabrik sind für eine Deckungsbeitragsrechnung von großer Bedeutung. Ein Schlepper-gezogenen Strohhänger transportiert ca. 7 to/Fahrt. Bei einer Entfernung von bis max. 30 km kostet eine einfache Schlepperfahrt 35 €. Also: 10 €/to.
Bei größeren Entfernungenbis ab 100 km empfiehlt sich ein Transport per LKW-Spedition: Ein Truck kostet ca. 250 € und läd ca. 10 to. Demnach liegen die Transportkosten bei 100 km: 25 €/to.

Positive Effekte

  • gute Vorfruchteigenschaften
  • phytosanitärer Effekt der Hanf-Ackerkultur
  • während der Vegetation keine Bearbeitung
  • keine Verwendung von Pflanzenschutz

Vertragsgestaltung

Vertragspartner ist die Hanffaser Uckermark, Brüssower Allee 88, 17291 Prenzlau. Vor der Aussaat wird der Vertrag für jeweils ein Anbau+Verarbeitungsjahr geschlossen.

Die Röste ist das wichtigste Qualitätskriterium des Hanfstrohs.

  • zu wenig geröstet (grün) = minderwertig (links)
  • zu lange röstet = minderwertig (rechts) *

Bei ausreichender Saatdichte unterdrückt der Hanf normalerweise jedlichen anderen Bewuchs. Leider kommt es aber gelegentlich zu Bestandsentwicklungen, die unbrauchbar für die Fasergewinnung sind. Wird das Saatkorn zu tief gedrillt oder verschließt witterungsbedingt sich unmittelbar nach der Aussaat die Oberfläche zu einer harten Kruste, so verzögert sich der Aufgang und der Unkrautbewuchs etabliert sich. Wenn dann noch mit Saatgut gespart wurde, kann der Hanf erst im Laufe des Sommers den Unkrautbewuchs bezwingen. Dann ist er zwar etabliert, aber das Erntegut ist zu stark verunreinigt. In diesem Fall hilft nur noch Mähdrusch der Stängelspitzen, um wenigstens die Samen zu ernten.

Sofern das Unkraut bereits von Außen im Bestand sichtbar ist (links), wird ohnehin jeder die Unbrauchbarkeit feststellen können. Aber auch wenn die Unterdrückung auf dem Boden ungenügend ist (unten), bleibt eine Nutzung in der Faserfabrik ausgeschlossen.

Nach Auskunft der Oberfinanzdirektion Frankfurt /M (Zolltechnische Prüfungs- und Lehranstalt) vom 22.07.1998 wird für Hanfstroh der volle Umsatzsteuersatz erhoben.

weitere Info unter Hanffaser Uckermark eG.

Blücher II vor dem Hanffeld Schneiden mit Blücher II Schwadriffel mit HEM 210 Pressen des Hanfstrohs  Pressen des Hanfstrohs  Pressen des Hanfstrohs  Pressen des Hanfstrohs  Pressen des Hanfstrohs  Auch im schneefreien Frost kann Hanf gepresst werden.