Luftdichtes Fachwerk

Winddicht heißt, der Wind kann nicht ungehindert eindringen. Luftdicht aber heißt, es kann keine Luft nach außen gelangen. Das sind zwei grundlegend verschiedene Dinge. Durch einen dünnen Spalt kann Wind nicht eindringen, aber Luft kann sehr wohl durch einen Spalt nach außen.

Physikalische Grundlage

Aus den Gleichungen von Bernoulli und Venturi ergibt sich vereinfacht für den Fall im Bild: Windgeschwindigkeit und Luftdruck am Spalt sind quadratisch proportional, also p = f(v²)

Noch einfacher gesagt:

  1. Bei geringem Wind wird am Spalt ein Sog (Saugdruck) erzeugt.
  2. Wird die Windgeschwindigkeit verdoppelt, so erhöht sich der Saugdruck um das vierfache.

Daher empfinden wir bei Wind am Fensterspalt einen sehr starken (kalten) Luftzug. Je stärker der Wind bläst um so quadratisch stärker ist der Luftzug.

Solche undichten Stellen sind in der Regel keine deutlich sichtbaren Öffnungen, sondern gehen im Baukörper mitunter verschlungene Wege

Dieses Problem ist natürlich seit Jahrhunderten bekannt. Wer während der Reparaturarbeiten aufmerksam sein altes Fachwerk besieht, wird an den Verbindungsstellen Holzrahmen / Lehmfachung Hanf als Dichtungsmaterial entdecken. (Foto: historischer Hanf im 250 Jahre alten Fachwerk in Mecklenburg)

Auch heute gibt es kaum andere Möglichkeiten, als diese Verbindungsstellen mit Hanf abzudichten. Alle, ausnahmslos alle Verbindungen Holzrahmen / Lehmfachung sollten im modernen Wohnungsbau mit Hanf-Kalfaterband abgedichtet werden.

Doch auch ein Mauerwerk ist nicht abgeschlossen. Selbst ein gut verputztes Mauerwerk, welches wir als luftdichte Gebäudehülle verstehen, dringt bei starkem Wind (50 Pa) auf der Windseite von z.B. 30 m² bis zu 30m³/h Luft durch das Mauerwerk.